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26.04.2021 | SIHGA Kommentar: Holzkrise 2021 – Was ist da los?

Der Waldbesitzer Freud ist der Handwerker Leid

Noch vor wenigen Monaten lag der Holzpreis im Keller – die Trockenperioden 2018 und 2019 und die anschließende Borkenkäferplage haben zu viel Schadholz geführt, was in Existenz bedrohend niedrigen Preisen für Forstwirte und Waldbesitzer resultierte. Nun sind wieder Existenzen bedroht, im Gegensatz zu der vorherigen Krise sind jetzt aber die Holzverarbeiter betroffen, von Zimmerern bis zu Möbelbauern: Sie haben schlicht keinen Rohstoff, mit dem sie Kundenanfragen bedienen könnten. Denn das Holz geht zu Schwindel erregenden Preisen ins Ausland.

Bauboom in den USA und China
Nicht nur hierzulande, sondern in China und vor allem in den USA gab es trotz – oder vielleicht auch wegen – der Coronakrise zu einem Bauboom. Jenseits des Atlantiks wird viel mehr mit Holz gebaut als in Europa, und nun kommt die dortige Forstwirtschaft mit der Produktion nicht hinterher. Hinzu kommen hohe Einfuhrzölle auf kanadisches Holz, die Trump bereits 2017 verhängt hat. Um der riesigen Nachfrage nachzukommen, wurden andere Lieferanten gesucht – und in Europa gefunden. Im Jahr 2020 stiegen die Exporte von Nadelschnittholz in die USA um über 40%. Die hiesigen Waldbesitzer schlagen dabei zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie können höhere Preise abrufen als im heimischen Markt. Und sie werden die großen Mengen Schadholz los, denn die Amerikaner stören sich nicht an Farbfehlern. So entspannt sich langsam die Situation, auch wenn es noch lange dauern wird, bis die Waldbesitzer ihre Ausfälle der Vorjahre ausgeglichen haben werden; je stabiler der hohe Holzpreis bleibt, desto schneller.

Krise in Europa
Diese Entwicklung hat allerdings verheerende Auswirkungen auf die hiesige Baubranche:
Erstens wurde Holz extrem knapp. Da die Nachfrage in den USA so hoch ist und die Amerikaner bereit sind, mehr zu bezahlen, exportieren die Sägewerke lieber als an die heimischen Firmen zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Aufträge können nur mit großen Verzögerungen oder sogar gar nicht umgesetzt werden – eine prekäre Situation für die Handwerker.
Zweitens kommen viele Unternehmen und Handwerker wegen der stark gestiegenen Preise in Bredouille. Sogar das Schadholz, ehemals so günstig, dass teilweise kaum die Erntekosten gedeckt werden konnten, kostet im Frühjahr 2021 mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Bei neuen Projekten können die Preise auf die Kunden umgelegt werden. Bei bestehenden, längerfristig angelegten Aufträgen wie dem Hausbau bleiben die Firmen auf den zwischenzeitlich gestiegenen Kosten fürs Holz sitzen, vor allem bei Aufträgen mit Festpreisen, die auf Grundlage der "Krisenpreise" Anfang 2020 beschlossen wurden.
Ein Nebeneffekt: Auch für die Bauherren, die jetzt ihre Bauvorhaben planen, steigen die Preise für Gebäude oder auch im Möbelbau. 

Mehr Holz ist keine Lösung
In einer anderen Branche würde das Fluten des Marktes mit mehr Produkten – also mehr Holz – die Preise drücken. Doch in der Holzbranche ist dies nicht möglich; der Hiebsatz der meisten Forstbetriebe, wie z.B. der bayerischen Staatsforsten, ist fest und auf Nachhaltigkeit bedacht. Es soll mehr nachwachsen als geschlagen wird, und durch die hohen Mengen des Schadholzes der Jahre 2018/2019 gab es 2020 kaum Bedarf, Frischholz zu schlagen. 

Stabilisierung in Sicht?
Die Baubranche im Allgemeinen kennt solche Schwankungen bereits seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Im Holzmarkt ist diese Entwicklung neu – Zimmerer waren es zum Beispiel nicht gewohnt, dass sie auf Holz warten mussten, um ihre Aufträge bearbeiten zu können. Doch Experten schätzen, dass sich die Situation auch wieder beruhigt, vor allem wenn die Sondernachfrage im Zusammenhang mit der Coronakrise wieder abebbt, als Haus- und Gartenbesitzer die Baumärkte regelrecht stürmten und sich mit Holz für ihr Zuhause eindeckten. Wie lange dies allerdings dauert, ist noch nicht abzusehen.

Appell an die Lieferanten
An der Stabilisierung des Marktes müssen die Marktakteure aktiv arbeiten. Der Staat kann (und soll) weder in Deutschland noch in Österreich marktregulierend eingreifen, so dass es an der Branche selbst liegt, wieder eine Normalisierung herbeizuführen. Deshalb geht von den Holzverarbeitern wie Handwerkern und Industrie ein Appell nicht nur an die Waldbesitzer, sondern auch und vor allem an die (Groß-)Sägewerke: Sie sollten an die heimische Wirtschaft, an die Kunden vor der Haustür denken. Auch wenn es gerade aussieht, als ob so manches Werk nicht von den kleineren und mittleren Kunden abhängig wäre, da die Großmengen ins Ausland geliefert werden, kann sich dieses Blatt schnell wenden. 
Außerdem gehört es einfach zu guter Corporate Governance eines jeden Unternehmers, regional zu denken. Langjährige, vertrauensvolle Partnerschaften und Kundenbeziehungen zwischen den Unternehmen vor Ort sind immer mehr wert als meist kurzlebige Trends wie zurzeit. Nur gemeinsam kann man Krisen trotzen und stark daraus hervorgehen. Auch aus der Holzkrise.

Jane-Beryl Simmer, geschäftsführende Gesellschafterin SIHGA GmbH, ist zuversichtlich:
"Als direkt mit der Holzbranche verbundenes Unternehmen beobachten wir die Entwicklungen natürlich mit Sorge. Und möchten auch deshalb selbst unsere Geschäftspartner in der Holz produzierenden Industrie dazu aufrufen, die Firmen vor ihrer Haustüre nicht zu vergessen. Damit wir zuversichtlich in die Zukunft schauen können – was ich grundsätzlich tue –, braucht es ein konstruktives und loyales Miteinander."

Hier geht's zu einem interessanten Beitrag zum Thema Holzkrise von BR24

Holzkrise in Europa

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